Krippenbücher

„Die Haller Weihnachtskrippe“ - Eine Papierkrippe aus dem Tyrolia-Verlag Innsbruck


In diesem Jahr erweiterte der Tyrolia-Verlag sein umfangreiches Angebot an Papierkrippen und Krippenliteratur um eine interessante Krippenszene: „Die Haller Weihnachtskrippe", die im Folgenden rezensiert wird.

Cover des Buchs "Haller Weihnachtskrippe"

Die Ursprünge dieser Krippe finden sich in der österreichischen Universitätsstadt Hall in Tirol, die durch Salzgewinnung und als Solebad zu Wohlstand gelangte und viele Künstler förderte. Man entdeckt die Krippe zur Weihnachtszeit in der 1281 erbauten Pfarrkirche St. Nikolaus. Sie ist als Bretterkrippe im Hochaltar aufgebaut und stellt die heilige Familie, Ochs und Esel, vier Hirten, drei Schafe und fünf Engel dar. Die auf Bretter gemalten überlebensgroßen Figuren sind in ausgezeichnetem Zustand und werden Jahr für Jahr aufgestellt.

Der Krippenbogen gibt die großen Figuren detailgenau verkleinert wieder, wobei die Hauptfiguren rund 15 cm in der Höhe messen. Das Titelbild stellt die Krippe als Original in den barocken Säulen des Hauptaltares dar. Den kartonierten Figurenbögen ist eine Aufstellskizze mit einer ausführlichen Baubeschreibung beigefügt. Eine sehr umfangreiche Biografie des Bildhauers und Krippenkünstlers Andreas Crepaz (1877 – 1963) mit einer historischen Einordnung des Werkes runden den Krippenbogen ab.

Hall in Tirol war gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Künstlerkolonie. Nicht nur die Kunstanstalt Vogl, aufgrund derer viele Künstler nach Hall zogen, sondern auch eine große Anzahl anderer Künstler, förderten die Entwicklung Halls zur Kunststadt. Sie alle schufen ein kunstfreundliches Mikroklima in der Salzstadt, das lange herrschte und vielleicht dazu beigetragen hat, dass aus Hall im 20. Jahrhundert eine ganze Reihe bekannter Künstler hervorgingen. Die Kunstanstalt Vogl brachte wieder einen enormen Impuls für Hall als Kunststadt, denn Ladiner Bildschnitzer wie Andreas Crepaz, Paul Costa und Johann Colliselli zogen zu Vogl nach Hall. Auch Josef Bachlechner (d. ältere) ließ sich in Hall nieder. So sind die Krippenfiguren stilistisch geprägt von den Werken Joseph Ritter von Führichs (1800 – 1876) und weisen Parallelen zu Josef Bachlechners bekannten Krippenbögen auf. Die Krippe sollte nicht mit der 1824 geschaffenen Papierkrippe von Vater und Sohn Georg und Felix Haller aus Götzens verwechselt werden.

Diese Papierkrippe stellt eine gelungene Erweiterung des Angebots-Spektrums in diesem Bereich der Weihnachtskrippen dar und ist sowohl interessant für den ambitionierten Sammler, als auch für den Krippenbauer. Aufgrund der Formgebung stellt das „Handling" der Figuren keinerlei Probleme dar. So ist es auch jungen, oder noch nicht so geübten Krippenbauern möglich, in kurzer Zeit schöne Ergebnisse zu erzielen, die eine beschauliche Weihnacht unterstützen.