Bauanleitung „Kakteen“

Hermann J. Feise   01-10-2011

Für ein stimmiges Gesamtbild einer Krippe sind nicht nur die großen, sondern ganz besonders die kleinen Objekte, Gegenstände, Figuren wichtig. Sowohl heimatliche als auch orientalische Krippen brauchen dafür geeignete Pflanzen - „Krippenbotanik“ eben. In dieser Anleitung möchte ich dem interessierten Krippenbauer eine besondere Krippenpflanze nahe bringen: den „Kürbiskaktus“. Ohrenkakteen stehen im Heiligen Land zum Teil in sehr dichten und großen Feldern in der Halbwüste und am Rande der Wüste, oft auch in der Nähe der Städte, wo sie am Wegesrand eine echte Gefahr darstellen können.  Das Bild unten wurde am Rande eines Parkplatzes in Caumont in der Provence aufgenommen. Für die Krippe lassen sich sehr schöne Ohrenkakteen mit Hilfe von Kürbiskernen herstellen.

 Ohrenkakteen

Bild 1: Kakteenfeld in der Provence

Kürbiskerne kann man natürlich im Reformhaus erwerben, man muss nur darauf achten, getrocknete, ungesalzene Exemplare mit Schale zu bekommen.

Viel billiger ist es dagegen, selber Kürbiskerne zu trocknen. Geeignet sind die Kerne praktisch aller essbaren Kürbisse, vgl. Bild 2. Ich verwende am liebsten die Kerne des deutschen Speisekürbis. Der Hokkaidokürbis hat etwas dickere Kerne, die sich besonders gut für den Kakteenbau eignen. Man sollte aber nicht zu kleine Kakteen damit zusammensetzen, sonst wirken sie unförmig. Der Spagettikürbis kann sehr unterschiedlich große Kerne haben. Ich nutze die kleineren Exemplare gerne als oberstes Ohr.

Kürbiskerne Sorten 

Bild 2: Kerne verschiedener Kürbissorten: Hokkaidokürbis, deutscher Speisekürbis, Spagettikürbis

Die Kürbiskerne lassen sich gut mit einem Löffel aus der Frucht schaben. Man kann dies vor oder nach dem Kochen tun, ganz, wie es sich für das Gericht anbietet. In jedem Fall muss man die Kerne von den sie umgebenen Fasern befreien und vor dem Trocknen so gut es geht waschen. Ich breite sie dann auf einem mit Küchenkrepp oder Zeitungspapier ausgelegten Backblech aus und lasse sie in einer ruhigen und gut gelüfteten Ecke mindestens zwei Wochen trocknen. Draußen im Garten eignet sich nicht, denn bei uns gibt es Eichhörnchen ... Alternativ kann man die Kerne noch im frischen Zustand auf ein Stück Blumendraht ziehen. In Bild 2 ist ganz links ein kleines Stück Blumendraht mit Kernen abgebildet. Dieses hängt man entsprechend gut gelüftet zum Trocknen aus. Aus solchen Ketten lassen sich später sehr stabile Kakteen zusammensetzen. Trockene Kürbiskerne werden sehr hart und man kann sie dann nicht mehr auffädeln. Nach dem Trocknen muss man in beiden Fällen die Kerne von der dünnem Eiweißhülle befreien, die sich auf den Kernen gebildet hat. Montieren Ein Kürbiskaktus besteht aus einer mehr oder minder verzweigten Kette von Kürbiskernen. Um die Kerne aneinander zu befestigen schneitet man zunächst einen kleinen Teil der Spitze ab, so dass man in das Loch ein Drahtende schieben kann. Ich verwende gerne 1 – 2 cm Stückchen von einem Blumen – Bindedraht. Dieses bildet den Fuß des Kaktusohres. Am oberen Ende werden ein bis zwei Löcher in die Kürbiskerne gestochen, dazu kann man eine Stopfnadel oder eine Reißnadel benutzen. In dieses Loch kommt je ein weiteres Stückchen Blumendraht und darauf fädelt man dann den Fuß des nächsten Kürbiskerns ein. Damit die Kerne fixiert bleiben, gebe ich einen Tropfen Heißkleber auf die Kontaktstelle. Noch besser wird es, wenn man zunächt etwas Kontaktkleber und dann Heißkleber einsetzt. Solche Stellen gehen praktisch nie auf, während rein mit Heißkleber fixierte Kakteen etwas empfindlich sind. Leim eignet sich nicht für diese Aufgabe, da die Kontaktstelle sehr unförmig ist und dem Leim praktisch keine Klebefläche zur Verfügung steht. Hat man die Kerne im frischen Zustand aufgefädelt, so kann man sich einen Teil der Arbeit sparen und einfach eine Kette vor drei oder vier Kernen abschneiden, die Kerne dicht zusammenschieben, den Draht geeignet biegen und die Kerne der Kette mit etwas Alleskleber oder mit Heißkleber fixieren. Danach bringt man sie in bewährter Weise in den Kaktus ein. Ohrenkakteen sind auffällig flächig. Man sollte also die meisten Kerne einfach parallel aufeinander setzen. Besonders an Verzweigungen, wo auf einen Kern zwei weitere folgen, lockern jedoch verdreht angebrachte Kerne das Bild sehr schön auf. In Bild 3 sind in der linken Hälfte zunächst zwei vorbereitete Kerne und als zweites ein fertig montierter Kaktus abgebildet. Die Montage von Kürbiskakteen ist etwas kniffelig und es bricht schon mal ein Kern wieder ab. Man sollte sich davon nicht entmutigen lassen und beim nächsten Mal den Heißklebertropfen einfach etwas größer wählen.

 Kürbisse Arbeitsschritte

Bild 3: Montage und Fassen von „Kürbiskakteen“ Arbeitsschritte von links: 1. vorbereitete Kürbiskerne, 2. Montierter Kaktus, 3. Fassen mit Grundfarbe, 4. Kaktus mit Stacheln, 5. „Stacheln“ Fassen

Um den Kürbiskakteen das richtige Aussehen zu geben, sind zwei weitere Arbeitsschritte nötig. Zuerst muss der Körper des Kürbis gefasst werden, anschließend bring man auf darauf die Stacheln an. Auf das Gerüst aus Kürbiskernen streiche ich dabei zunächst eine Grundierung aus Kreide und Leimwasser, wie man es auch für das Fassen von Gebäuden macht. Normales 4:1 Leimwasser und etwas Kreide sind bestens geeignet. Das Leimwasser bildet um die Kürbiskerne eine Hülle und stabilisiert das Gerüst zusätzlich. Wirklich kleben tut es wegen der Fettanteile auf der Kürbiskernschale nicht. Danach bemale ich die grundierten Kerne in Grüntönen mit Dispersionsfarbe. Am besten mischt man sich sein Grün aus verschiedenen grünen Abtönfarben zusammen. Ohrenkakteen sind sehr gleichmäßig gefärbt. Man sollte daher nur an den Ansätzen (Füßen) der Ohren etwas dunklere Farbe wählen. Die Stacheln für die Kürbiskakteen werden aus Sägemehl hergestellt, wie man es auch für den Krippenmörtel von alpenländischen Krippen einsetzt. Für die Farbe habe ich Silber aus einem Wassermalkasten, wie die Kinder ihn für die Schule verwenden, mit kleinen Anteilen grüner Dispersionsfarbe gemischt. Die Farbe wird durch ein Teesieb gegeben, um grobe Teile zu entfernen, und dann mit einer Sprühflasche vorsichtig auf das Sägemehl gesprüht. Dabei das Sägemehl immer wieder durchrühren, damit alle Teilchen von der Farbe benetzt werden. Beim anschließenden Trocknen (1 – 2 Tage) bildet sich manchmal ein fester Klumpen, der sich jedoch mit einem Rührstab leicht wieder auflösen lässt. Für das Anbringen der Stacheln sprüht man die gefassten Kakteen leicht mit Leimwasser ein und bestreut das Ganze vorsichtig z.B. mit einem Sieb mit dem „Stachelpulver“.

 Kürbiskernmodell

Bild 4: Kürbiskakteen

 

Kürbiskakteen in Kürze

– Kürbiskerne

– Waschen, sorgfältig Schleimhaut entfernen, verschiedene Kürbisse nutzen (kleine, große, dicke)

– Oberflächlich trocknen lassen, möglichst innerhalb von 3 Monaten verarbeiten – Montieren:

– Am Fuß abschneiden, für Ansatz des nächsten Ohres einstechen

– manchmal sind mehrere Ohren an gleicher Stelle angewachsen, Verzweigung

– kurze Drahtenden einstechen (Bindedraht); mit Kontaktkleber einstreichen und montieren, mit einem Tropfen Heißkleber fixieren

– nicht entmutigen lassen, brechen manchmal etwas ab

– Fassen: Leimwasser / Kreide Grundierung; verschiedene Grüntöne (Dispersionsfarben); Kakteen sind sehr gleichmäßig, nur am Fuss eines jeden Ohres etwas abdunkeln

– Stacheln:

– Sägespäne (Klumpen heraussammeln, Feingut aussieben, Mittelfraktion verwenden)

– Färben: Silberbronze und grün, sehr hell abtönen; Sprühen und Mischen – montierte Kakteen mit Leimwasser einsprühen und mit dem Teesieb „Stacheln“ draufstreuen.